50 Jahre Internet – Eine kurze sowie persönliche Geschichte über das Netz

50 Jahre Internet oder zumindest 50 Jahre erste Computer-Vernetzung. Herzlichen Glückwunsch!

Nach der ersten Vernetzung zweier Computer, die am 29. Oktober 1969 durch die damaligen Studenten Charles S. Kline und Bub Duvall über eine Strecke von 600 km stattfand, kamen bereits einen guten Monat später zwei weitere Computer hinzu. Schnell entstand des ARPANET, das zuvor nur Theorie war, der Vorläufer des Internets war geboren. Seit 1983 wurde als Protokoll auf TCP/IP gesetzt, das bis heute genutzt wird und mittlerweile mit IPv6 einen Nachfolger hat. Übrigens: Das Internet kam erst 1984 nach Deutschland.

Das Internet wie man es heute kennt ging erst ab 1989 los, als das World Wide Web (WWW) durchstartete. Das Ganze dank der Erfindung der HyperText Markup Language (kurz HTML) durch Tim Berners-Lee am CERN. So kam erstmal ein Webbrowser zum Einsatz um Inhalte darzustellen. Danach ging es ganz schnell. In wenigen Jahren wuchsen die Inhalte und Dienste, Suchmaschinen wie AltaVista, Lycos und Yahoo entstanden, weitere Dinge kamen hinzu und das Online-Shopping entwickelte sich. Mit Zunahme der Möglichkeiten wuchs zudem der Bedarf an schnellen Verbindungen.

Heute tummeln sich neben Computern jede Menge andere Geräte im Netz, wie z.B. Smartphones, Tablets, Smart TVs und allerlei andere Geräte bis hin zum Kühlschrank sowie weitere Haushalts- und Küchengeräte. Man telefoniert, verabredet sich und schaut Film sowie Fernsehen über das Netz. In sozialen Netzwerken tauscht man sich aus und besucht Info-, Nachrichten sowie Lernseiten. Ein Leben und Arbeiten ohne das Internet ist nahezu unvorstellbar geworden. Mal schnell etwas Nachschauen, eine Mail oder Kurznachricht schreiben oder die Bestellung der Weihnachtsgeschenke vornehmen bis hin zum Preisvergleich von Versicherungen und Reisen oder die Übermittlung von Dateien und Dokumenten ist alles dabei.

Ein paar persönliche Erfahrung von damals bis heute

Die „richtige“ Anfangszeit mit Akkustik-Koppler usw. habe ich nur als Kind erlebt. Ein Vereinskollege von meinem Vater war da recht früh schon mit am Start. Spannend, auch wenn man noch nicht wirklich etwas verstanden hat.

Das erste Mal online gegangen bin ich so um 1993/1994 rum, mit einem 28.8 kBit/s-Modem, die Einwahl erfolgte über die Telefonleitung bei CompuServe in Frankfurt am Main. Ein recht kostspieliges Vergnügen, gab es noch keine Flatrate und man durfte sowohl die Telefongebühren sowie die Gebühren des Onlinedienstes bezahlen. Das führte oft dazu, das man eher Nachts, wo’s günstiger war, unterwegs gewesen ist. Es war die Zeit der Online-Dienste wie der eben genannte oder America Online (kurz AOL) sowie T-Online und weiterer. Erst ein wenig später surfte man im WWW und es folgten weitere Zugangsanbieter. Die erste Einwahl ins Internet ohne die CompuServe-Software war zudem einigermaßen abenteuerlich, zeigte das Terminal (Eingabefenster) nicht die richtigen Zeichen an und man gab die Zugangsdaten quasi im Blindflug ein. Ende der 1990er Jahre hielt ich seinerzeit in der Berufsschule Aschaffenburg bereits einen Vortrag über das Internet.

Im Raum Aschaffenburg betrieb seinerzeit das Funkhaus Aschaffenburg zunächst als eine Art Mailbox-System das Prim@Net, dort konnte man Chatten, Inhalte einstellen und Dateien tauschen. Man benötigte eine extra Einwahl-Software die man im Funkhaus, damals noch in der Frohsinnstraße, abholen konnte. Windows-Anwender hatten Glück, für alle anderen gab es leider keine Anwendung. Die Dame am Empfang meinte zu einem Bekannten, der nach der Software für einen Apple Mac fragte, das es da nichts gäbe, man aber dafür einen anständigen PC (im Vergleich zu Windows, Anm. von mir) hätte. Anfangs war das Prim@Net noch eine recht wackelige Angelegenheit, man besserte allerdings zügig nach. Apropos instabil: In der Anfangszeit hatte ich massiv mit Verbindungsabbrüchen ganz gleich wo man sich einwählte zu kämpfen, das lag nicht nur an der Technik, sondern schlicht am damaligen Standort des PCs und dem Kühlschrank. Jedes Mal wenn das Aggregat ansprang brach die Verbindung zusammen. Abhilfe schaffte nach diversen Diskussionen mit meinem Vater ein anderer Standort des PCs und ein ca. 30 m langes zusammengestückeltes Telefonkabel. Etwas später bot das Funkhaus dann unter der Marke Prim@Net dann Internetzugänge.

Zu ISDN-Zeiten gab es dank moderner Technik schnelleren Zugang, also 64 kBit/s wenn man nur einen Kanal nutzte oder eben 128 kbit/s wenn man beide Kanäle verwendete. Im Vergleich zu vorher, rasend schnell, aber noch lange nicht das Ende der Reise. Es kamen die ersten Anbieter mit Flatrates auf, die nach relativ kurzer Zeit leider wieder verschwanden. AVM wurde dank seiner FRITZ!Card populär. Nach dem „Wegbrechen“ der eher günstigeren Anbieter und dem Aufkommen von Online-Banking wurde es dann T-Online bzw. Telekom bei mir als nächster Zugang zum Internet. Die T-Online-Software machte es einem da recht leicht, das war allerdings vorher bei CompuServ und AOL auch nicht wirklich kompliziert. Dort blieb ich bis weit jenseits der DSL-Einführung ab der Jahrtausendwende. Ach ja, DSL, anfangs mit 768 kBit/s gestartet, ein Quantensprung zu vorher. Gebannt starrte man auf den T-DSL SpeedManager bei jedem Download, ein Wahnsinn was auf einmal möglich schien.

Ab 2005/2006 gab es dann ADSL2+ mit den am häufigstens genutzten Bandbreiten von 6 Mbit/s und 16 Mbit/s, auch weniger wenn die Leitung nicht mehr hergab. Es folgte VDSL mit bis zu 50 Mbit/s und VDSL2 mit bis zu 100 Mbit/s. Letzteres ist im Schnitt heute noch der Stand. In Haibach wurde VDSL ca. ab 2013 ausgebaut, allerdings gab es Unterschiede durch Monopol-Regelungen, d.h. nicht im gesamten Gemeindegebiet ist der Ausbau einheitlich. Im Ortskern wird es seit relativ kurzer Zeit VDSL mit 100 Mbit/s (und mehr) ausgebaut und angeboten. Dank weiterer Entwicklungen wie G.fast (Supervectoring) sind teils bis zu 250 oder 300 Mbit/s möglich, allerdings nur unter besten Voraussetzungen, also kurzer Leitungsweg zum Verteiler und die Leitung muss tipptopp sein, am besten nicht gestückelt, keine Fremdeinwirkung wie Übersprechen, Induktion, möglichst geringe Dämpfung, usw.

Schon beeindruckend was bis hierhin passiert ist und möglich war. Allerdings liegt hier auch der Hase im Pfeffer, denn mit der Kupferleitung geht’s aufgrund ihrer spezifischen physikalischen Grenzen nicht weiter. Der Aufwand für VDSL und neuer ist immens. Es hat seine Gründe warum die grauen Kästen an der Straße so groß sind und einen Starkstromanschluss benötigen. Für die Aufbereitung des VDSL-Signals passend zu jedem einzenen Anschluss (!) wird enormer Rechenaufwand benötigt, der sich sowohl im Stromverbrauch sowie der Abwärme wiederspiegelt. In Zeiten wo das Thema Klima immer präsenter und relevanter ist, durchaus ein Thema.

Quellen:

tagesschau.de – 50 Jahre Internet „Login“ für vier Milliarden Menschen

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